Die Reiseapotheke
Welle_rgb_vek_300

Die Reiseapotheke

Auf Reisen oder am Strand in fernen Ländern ist medizinische Hilfe nicht immer ohne weiteres frei zugänglich. Somit kann eine gut vorbereitete und sinnvolle Selbstmedikation bei Krankheitsfällen sinnvoll sein. Eine Selbstbehandlung ist zwar keineswegs immer unproblematisch. Mit Fehldiagnosen, vor allem in tropischen Ländern, muss gerechnet werden. Wenn immer möglich ist der Besuch eines Arztes bei schwereren Symptomen anzustreben. Es gibt eine Reihe von guten Gründen eine Reiseapotheke mitzuführen, denn nicht immer sind Medikamente, vor allem in abgelegenen Gebieten, verfügbar. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, dass der Kranke mit dem Arzt zu Hause Kontakt aufnimmt, bevor er Medikamente einnimmt. Werden im Ausland Medikamente verschrieben, lohnt es sich, die Beipackzettel mit nach Hause zu nehmen, insbesondere, wenn zu Hause der Hausarzt konsultiert wird, zur Nachkontrolle.
Nachfolgend werden einige Krankheitsbilder und die mögliche Selbsttherapie besprochen. Auf die Malariaprophylaxe und Therapie möchten wir hier nicht eingehen, dies würde den Rahmen sprengen.
Durchfall:
Trotz der bekannten Regel: “ Kochen, schälen, sieden oder vergessen“, erkranken 20-60% der Reisenden innerhalb 1-2 Ferienwochen an Durchfall. Dies vor allem in tropischen und subtropischen Ländern. Die häufigste Ursache sind ein spezieller Stamm von Darmbakterien, der für uns Europäer krankmachend wirkt und vor allem für Kleinkinder gefährlich werden kann. Weitere Ursachen sind Viren oder die bekannten Erreger Salmonellen und Campylobakter.  Meist ist dieser Reisedurchfall harmlos und kann mittels Zufuhr von Flüssigkeit und stopfenden Medikamenten wie Imodium in den Griff bekommen werden. Hilfreich sind auch biologische Darmfloraufbaupräparate, wie Bioflorin, Fiormil oder Perenterol. Für Kleinkinder empfiehlt sich bei starkem Durchfall das Mitführen von speziell konfektionierten Elektrolytlösungen. (GES45, etc) Kinder unter zwei Jahren dürfen kein Imodium erhalten, ebenso dürfen diese nicht gegeben werden bei blutigen Durchfällen und oder hohem Fieber. Antibiotika werden in der Selbstmedikation nur dann eingesetzt, wenn blutige Durchfälle mit und oder hohem Fieber auftreten und ein Arztbesuch unmöglich ist. Besteht gleichzeitig Erbrechen können zusätzlich Paspertin oder Motilium eingesetzt werden. Für Kinder gibt es Zäpfli wie Itinerol B6.
Reisekrankheit
Die Reisekrankheit ist eine durch den Transport verursachte Störung des Gleichgewichtsorgans und äussert sich in Schwindel, Übelkeit und Erbrechen. Kinder von 3-12 Jahren und Frauen sind am häufigsten betroffen. Als Selbstmedikation kommen in Frage: Reisepflaster wie Scopoderm TTS , Tabletten, wie Stugeron, Dramamine etc, oder aber Kaugummi wie Trawell. Für Kinder Zäpfli wie Itinerol B6 oder aber auch Trawell-Kaugummi. Erkundigen Sie sich bei diesen Medikamenten nach möglichen, nicht allzu seltenen Nebenwirkungen, auch in Zusammenhang mit anderen Medikamenten, die Sie regelmässig einnehmen müssen.
Schmerzen, Fieber
Sinnvoll hier ist eine Medikament, das sowohl für Fieber, als auch für etwas stärkere Schmerzen eingenommen werden kann. Geeignet für Kinder ist  Pracetamol, wie bsp. Panadol, Dafalgan, Thylenol etc. Für Erwachsene eignet sich Aspirin oder Ponstan als Bsp. Sowohl für Kinder als auch Erwachsene eignet sich, in der jeweils angepassten Dosierung, Ibuprofen, wie es bsp. in Brufen, Irfen etc. enthalten ist.  Bei hohem Fieber, welches über mehrere Tage dauert ist wenn möglich ein Arzt aufzusuchen, besonders an heissen Orten und bei Kindern. (Austrocknungsgefahr).
Allergie-Notfälle
Für harmlose Allergien, wie Hautausschläge eignen sich Mittel wie Zyrtec, Claritine oder Fenistil, welches sowohl für Kinder und Erwachsene erhältlich ist. Ev., kann auch eine kleine Dosis Cortison mitgeführt werden für stärkere Reaktionen. Für Reisende mit bekannten Bienen- und Wespengiftallergien ist das ausgehändigte Notfallset unumgänglich.
Infekte
Auf Reisen kommen vor allem Hautinfekte, Infekte der Luftwege und Blasenentzündungen vor. Für Reisende die solche Infekte kennen und damit umzugehen wissen, kann es sinnvoll sein, ein geeignetes Antibiotikum mitzuführen zur Selbsttherapie. Abenteuerreisende kommen sogar nicht darum herum, da sie oft keine medizinische Hilfe in Anspruch nehmen können. Lassen Sie sich in diesen Fragen vom Hausarzt beraten.
Hautkrankheiten
Sonnenschutzmittel mit hohem Schutzfaktor und Insektenabwehrmittel gehören in jede Apotheke. Die Auswahl ist gross, bei den Insektenschutzmittel ist auf eine genügend hohe Konzentration zu achten, vor allem in Malariagebieten. (Antibrumm forte, Exopic forte etc.)
Für Reisen in abgelegene Gebiete empfiehlt es sich ein Mittel gegen Hautinfektionen und Ekzeme mitzuführen.
Akute Bergkrankheit
Diese tritt auf über 2500 Meter, vor allem bei Leuten, die sich nicht akklimatisieren und schnell aufsteigen und über Nacht auf dieser Höhe bleiben. Die Krankheit äussert sich mit Kopfschmerzen, Schwindel, Schlafstörungen und Erbrechen. Jüngere Reisende entwickeln häufiger Symptome als Aeltere. Schwere Formen mit Wasser im Hirn und auf der Lunge sind selten. Darauf wird hier nicht eingegangen.  Eine mögliche Selbstmedikation ist mit dem Arzt zu besprechen, die beste Therapie ist das sofortige Absteigen und natürlich zuerst die Akklimatisation.
Notfall-Schwangerschaftsverhütung
Immer wieder kommt es vor, dass Reisende ungewollt schwanger werden.  Medikamente sind hier nicht an erster Stelle zu erwähnen. Auf den Gebrauch von Kondomen kann nicht genügend oft hingewiesen werden. Unter Umständen kann es singvoll sein, „die Pille danach“ mitzuführen. Es kann ja auch vorkommen, dass die eigene Antibabypille vergessen wird, oder abhanden kommt.
Weitere Medikamente
Selbstverständlich ist es notwendig, die üblicherweise zu Hause eingenommenen Medikamente in genügender Anzahl mitzuführen. Zusätzlich sinnvoll können Medikamente gegen Verstopfung oder Magenübersäuerung sein. Für Leute mit Schlafstörungen oder extremer Flugangst kann ein leichtes Beruhigungsmittel oder ein Schlafmittel sinnvoll sein. Für den Jet lag wird oft, das in der Schweiz nicht offiziell erhältliche Melatonin empfohlen.  Vergessen Sie auch nicht Medikamente gegen zeitweilig bei Ihnen auftretende Krankheiten wie Migräne oder Asthma.
Über die Thromboseprophylaxe haben wir im letzten Hittnau intern ausführlich berichtet.
Ergänzende Überlegungen
Neben Medikamenten gehören je nach Reiseziel folgende Utensilien in eine gute Reiseapotheke. Verbandmaterial, Desinfektionsmittel, Pflaster, Schere, Fieberthermometer, Fremdkörperpinzette und Kompressen.
Für Reisen in tropische Länder kontaktieren Sie genügend im Voraus ihren Hausarzt, welcher Sie berät über Impfungen, Malariaprophylaxe etc. Insbesondere die Malaria wird zunehmend unterschätzt und führt immer wieder zu tragischen Fällen. Alleine in unserer Hausarztpraxis, sehen wir jedes Jahr bis zu 3 Malariakranke. 

 

Back