Kortison, Fluch oder Segen?
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Im heutigen Tip möchten wir ein Thema ansprechen, welches bei vielen Patienten bereits beim Hören des Wortes, grosse Angst vor Nebenwirkungen aufkommen lässt. Mit diesem Tip möchten wir versuchen Ihnen die Therapie mit Kortison zu erklären und auch Ängste zu nehmen. Anderseits möchten wir jedoch auch auf die nicht zu vernachlässigenden Gefahren einer falschen Therapie mit diesem Medikament hinweisen.

-   Was weiss der Patient über Kortison?

Die Angst vor Kortison rührt oft daher, dass der Mensch Angst hat vor Dingen die er nicht kennt. Die meisten Patienten haben jedoch Angst vor Kortison, da sie schlechtes gehört haben über dieses Medikament, das nur schwere Nebenwirkungen produziert. Diese Angst rührt sicher auch daher, dass in früherer Zeit, als auch Kortison bei Ärzten noch zuwenig bekannt war, das Medikament zu häufig und in zu hohen Dosen angewendet wurde und deshalb Nebenwirkungen unumgänglich waren. Diese Angst führt auch dazu, dass Patienten sich gegenseitig dazu motivieren, dieses Medikament abzusetzen, was gefährlich sein kann. Kortison kann nämlich auch Leben retten, oder die Lebensqualität bei gewissen Erkrankungen deutlich verbessern und bei richtiger Anwendung, ohne Furcht vor Nebenwirkungen.

 

-   Was ist nun Kortison?

Kortison ist in ursprünglicher Form ein körpereigenes und damit natürliches Hormon, ohne das es für uns kein Leben gäbe. Das Hormon wird in den Nebennieren, einer Hormondrüse, die auf den Nieren sitzt, produziert. Im Körper wirkt es als Stress- und Stoffwechselhormon. Dies bedeutet, dass der Körper auch in der Natur bei gewissen Störungen vermehrt Kortison bildet, um die Krankheit abzuwenden. Dies geschieht namentlich bei nicht infektiösen Entzündungen, bei der Entstehung von Tumor-, also Krebszellen und bei vielen Stoffwechselvorgängen. Das Medikament Kortison wird heute synthetisch hergestellt und in vielen verschiedenen Darreichungsformen abgegeben. In der Natur gibt es ebenfalls die sogenannte Kortisonkrankheit, d.h. eine Krankheit, bei welcher die Nebennieren zuviel Kortison produzieren und somit die Cushing-Krankheit auslösen. Die Symptome dieser Krankheit entsprechen den Nebenwirkungen bei falsch angewendeter Therapie mit Kortison. Sie sehen Kortison ist somit ein natürliches Produkt,ohne das es kein Leben gäbe.

 

-   Welche Nebenwirkungen hat Kortison?

Wie bei der Cushing-Krankheit treten bei lange dauernder Kortison-Therapie in hohen Dosen und in Tablettenform z.T. schlimme Nebenwirkungen auf. Am bekanntesten ist sicher die Gewichtszunahme mit dem typischen Vollmondgesicht. Diese Gewichtszunahme erfolgt auf Grund verstärkter Einlagerung von Wasser und auf Grund einer Appetitsteigerung. Sie verschwindet nach Absetzten der Therapie. Schlimmer und nicht rückgängig zu machen ist die Bildung des grauen Stars an den Augen nach langer Therapie. Auf der Haut kann es zur Bildung von blauen Flecken kommen, Wunden können schlechter heilen, die Haut kann dünn und rissig werden, seltener tritt auch Akne auf. Diese Nebenwirkungen sind harmlos und können sich zurückbilden nach Absetzten der Therapie. Unter langdauernder Therapie kann es dazu kommen, dass die körpereigene Produktion sistiert wird und die Nebenniere kein lebenswichtiges Kortison mehr produziert. Dann ist es notwendig, Kortison lebenslang einzunehmen. Unter Tablettenbehandlung kann es auch zu psychischem Ungleichgewicht kommen im Sinne von „himmelhoch jauchzend – zu Tode betrübt“. Auch diese Nebenwirkung, welche schon zu Beginn einer Therapie auftreten kann, verschwindet spontan, oft schon nach Dosisreduktion. Eine der schlimmsten und nicht rückgängig zu machenden Nebenwirkungen ist wohl die Osteoporose, d.h. der Knochenschwund unter langdauernder Therapie. Oft ist daran Kortison nicht alleine schuld, sondern verstärkt wird diese Wirkung durch die behandelte Krankheit selber mit oft verbundener Immobilität. Heute gibt es Tabletten, die diese Nebenwirkung weniger haben. Ebenso kann dieser Nebenwirkung vorgebeugt werden, durch die Gabe von Vitamin D und Kalzium. Bei Kindern kann es zu einer Wachstumsverzögerung unter langer Therapie mit Tabletten kommen. Als Stoffwechselhormon greift Kortison regulierend auf den Zuckerstoffwechsel ein. Deshalb kann sich eine Zuckerkrankheit entwickeln, welche nach Absetzten verschwindet. Falsch ist die Meinung, dass Kortison zu Magengeschwüren oder zu hohem Blutdruck führt. Ebenso falsch ist es, dass bei zu langer Anwendung, Kortison einmal nicht mehr wirke und man davon krank werde.

Wichtig ist, dass all die oben genannten, z.T. schweren Nebenwirkungen nur nach lang dauernderTherapie mit hohen Dosen in Tablettenform oder nach regelmässigen Spritzen auftreten. Kurzfristig, auch in hohen Dosen, sind diese Nebenwirkungen unbekannt. Als kurzfristige Reaktion verspüren einige Patienten nach Verabreichung einer Spritze nach einem Tag einen warmen und etwas roten Kopf oder können in den ersten Tagen schlecht schlafen, wenn das Medikament am Abend eingenommen wird. Falsch ist, dass diese Nebenwirkungen auch auftreten nach kurzfristigem Gebrauch, d.h. nach einer Spritze oder nach wenigen Tagen Tabletten. Ebenso falsch ist, dass auch eine langfristige Therapie mit Kortisoninhalationen bsp. bei Asthma diese Probleme verursacht. Es stimmt nicht, dass auch eine mehrfache Salbentherapie zu diesen Nebenwirkungen führt. Bei Salben ist jedoch auf die Dauer und die richtige Anwendung zu achten, ansonsten am Ort der Anwendung Nebenwirkungen, wie dünne Papierhaut, oder Akne auftreten können. Die heutigen modernen Kortisonsalben haben diese Nebenwirkung massiv weniger.

 

-   Wo und wann wird Kortison therapeutisch eingesetzt?

Kortison wird hauptsächlich bei sogenannt nicht infektiösen Entzündungen verwendet, wo oft andere Therapieformen versagen, oder zu wenig wirken. Nicht infektiös heisst, dass diese Entzündungen nicht durch einen Krankheitserreger, wie Bakterien, Viren oder Pilze ausgelöst werden. Hier wäre Kortison absolut fehl am Platz, da es diese Entzündungen durch Bremsen des Immunsystems noch verschlimmern würde. So wird Kortison hauptsächlich bei Rheumatischen Entzündungen an Gelenken, Sehen und Bändern eingesetzt, oft als lokal verabreichte Spritze. Patienten mit regelmässigem Entzündungsrheuma wissen, wie es Ihnen ohne die Spritzen gehen kann. Die Schmerzen können unerträglich sein und übliche Schmerzmittel versagen. Falsch wäre jedoch der glauben, dass Kortison ein Schmerzmittel ist; es ist ein Entzündungshemmer und wirkt somit nicht sofort, jedoch anhaltender, als ein Schmerzmittel. Eine grosse Domäne der Kortison-Therapie ist die Inhalation mit Kortison bei Asthma. Asthma als Entzündungskrankheit kann in den bekannten Schüben oft nur noch mit Kortison behandelt werden, ansonsten sich lebensgefährliche Anfälle entwickeln können. Lebensrettend ist Kortison auch bei schweren allergischen Reaktionen, bsp. nach Insektenstichen oder aber nach Schädelhirnverletzungen mit Schwellung des Hirns. Eingesetzt wird Kortison auch bei gewissen Krebsleiden, bei welchen Schwellungen, und somit starke Schmerzen auftreten. Eine weitere Domäne sind die entzündlichen Krankheiten der Haut wie Ekzeme,Neurodermitis, und die Schuppenflechte. Auch hier wird Kortison heute vorwiegend lokal, in Form von Cremen und Salben appliziert. Oft ist es auch hier das einzig wirksame und somit lindernde Medikament.

Sie sehen Kortison kann somit sowohl ein Fluch, bei falscher Anwendung sein, ebensogut kann es ein Segen sein, da es bei gewissen Situationen lebensrettend ist oder zumindest bei schweren Krankheiten die Lebensqualität massiv verbessert. Jeder Mensch der unter einer dieser erwähnten chron. Entzündungskrankheiten leidet, weiss was es bedeutet Schmerzen zu haben, die bei Entzündungsrheuma unerträglich sein können, oder aber was Atemnot bedeutet bei schwerem Asthma. Wichtig und unerlässlich zur Verhinderung von Nebenwirkungen ist der gezielte Einsatz nach Rücksprache mit den Fachleuten. Kortisonhaltige Medikamente sollten somit nicht einfach weiter gegeben werden zum Ausprobieren. Ebenso wichtig ist das Beachten der Maximaldosen aus dem gleichen Grund. Falsch ist es jedoch, Patienten davon abzuhalten, allenfalls lebensrettende Medikamente einzunehmen, nur weil man irgend etwas schlimmes über diese Therapie gehört hat. Besser ist es sich zu informieren und sich aufklären zu lassen, nach dem Motto „Über Risiken und Nebenwirkungen sprechen Sie mit dem Arzt Ihres Vertrauens“.

Als Väter von Kindern mit Asthma und als Vater von einem Kleinkind mit zusätzlich Neurodermitis, wissen wir aus eigener Erfahrung, was dieses Medikament bedeuten kann, und Sie dürfen sicher sein, dass heute von den meisten Ärzten Kortison nicht verschrieben wird, ohne auf die möglichen Gefahren zu achten.

 

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