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Migräne ist eine weit verbreitete und behindernde Krankheit, die häufig nicht oder nicht richtig erkannt wird. Sie ist viel mehr als nur ein heftiger
Kopfschmerz – sie ist eine biologische Funktionsstörung des Gehirns, die allerdings immer harmlos und ohne Komplikationen verläuft. 40 Prozent aller Schweizerinnen und Schweizer klagen über gelegentliche
Kopfschmerzen und 15 Prozent der Schweizer Frauen und 7 Prozent der Schweizer Männer leiden unter Migräne. Gemäss neuen Studien wird geschätzt, dass bei uns jährlich 2,2 Millionen Arbeitstage wegen Migräne verloren
gehen.
Symptome einer Migräne
Hauptsymtom der Migräne sind wiederkehrende, 4 bis 72 Stunden dauernde Kopfschmerzattacken. Diese wiederholen sich manchmal in bestimmten, manchmal in
unregelmässigen Zeiträumen. Gewisse Betroffene haben nur wenige Anfälle im Jahr, andere leiden häufiger darunter – bis mehrmals wöchentlich. Bei 60 Prozent der Betroffenen sind die Kopfschmerzen einseitig. Der
Schmerzcharakter ist oft pulsierend, pochend oder hämmernd. Die Schmerzintensität ist mittel bis stark und nimmt bei körperlicher Aktivität zu. Nicht selten besteht zusätzlich Übelkeit mit Erbrechen, häufig auch
Empfindlichkeit auf Licht, Geräusche oder Gerüche.
Migräne-Phasen
Vor der Migräne kann es eine so genannte Prodromalphase geben: die Migräne wird mit Symptomen wie Müdigkeit, Gähnen, schlechte Laune oder Heisshunger
angekündigt. Bei 10 bis 15 Prozent der Betroffenen folgt anschliessend die Aura-Phase. Diese ist noch schmerzfrei und beginnt meistens eine Stunde vor der eigentlichen Migräneattacke. Mit Beginn der
Kopfschmerzen verschwinden die Zeichen einer Aura. Die Symptome einer Aura sind vielfältig und zum Teil recht dramatisch, aber harmlos: Sehstörungen wie beispielsweise ein eingeschränktes Gesichtsfeld mit Flimmern
und Lichtblitzen vor den Augen, Sprach- und Sprechstörungen (z.B. Wortfindungsstörungen), Sensibilitätsstörungen (z.B. Taubheitsgefühl oder Kribbeln an Lippen/Händen), Lähmungserscheinungen – oft leichter
Ausprägung wie z.B. eine Ungeschicklichkeit der Hände. Schliesslich folgt die eigentliche Kopfschmerzphase, wie oben beschrieben. Zum Schluss gibt es eine Rückbildungsphase, die Migräne-Symptome
verschwinden, der Körper verspürt noch die Strapazen und erholt sich langsam.
Ursache der Migräne
Die komplizierten Prozesse, die bei einer Migräne im Gehirn ablaufen, sind noch nicht vollständig erforscht. Sicher ist jedoch, dass sie durch biologische
Veränderungen im Gehirn ausgelöst werden. Die eigentliche Ursache der Migräne ist nach wie vor unbekannt, deshalb ist Migräne auch nicht heilbar. Sicher handelt es sich um eine Veranlagung, bei 60 Prozent der
Betroffenen ist Migräne vererbt.
Migräne-Auslöser
90 Prozent aller Migräniker berichten, dass ihre Beschwerden durch Auslöse-Faktoren, so genannte Trigger, hervorgerufen werden. Häufig müssen aber mehrere
solcher Faktoren zusammentreffen, damit ein Anfall ausgelöst wird. Es sollte jedoch betont werden, dass diese Auslöser nicht die Ursache der Migräne sind. Mögliche Migräne-Auslöser sind: Stress und Emotionen,
hormonelle Veränderungen wie die Periode bei der Frau, unregelmässige Mahlzeiten, zuviel oder zuwenig Schlaf, Nahrungsmittel wie Schokolade/Milchprodukte/Kaffee, Alkohol und Nikotin, bestimmte chemische Stoffe und
Medikamente, körperliche Anstrengung, Wetterveränderungen. Die Auslöser sind individuell verschieden und führen auch nicht jedes Mal zu einer Attacke. Umgekehrt kommt die Migräne auch ohne Auslöser vor.
Behandlung der Migräne
An erster Stelle stehen die nicht-medikamentösen Massnahmen: Viele Betroffene ziehen sich in einen abgedunkelten und geräuscharmen Raum zurück, oft hilft
schlafen, ein kalter Stirnwickel, ein Eisbeutel oder eine sanfte Massage der Kopfhaut. An zweiter Stelle stehen die Medikamente. Patienten mit leichter Migräne können diese mit einfachen Schmerzmitteln gut
behandeln. Diese sollten früh eingesetzt werden und ausreichend dosiert sein. Bei schwerer Migräne kommen meistens die so genannten Triptane zum Einsatz. Diese wirken spezifisch und sollten ebenfalls möglichst früh
eingesetzt werden. Triptane lindern nicht nur die Schmerzen, sondern auch die Begleitsymptome.
Migräne-Prophylaxe
Bei mehr als drei Migräne-Attacken pro Monat und/oder ungenügender Wirkung der Akutbehandlung ist eine Migräne-Prophylaxe in Erwägung zu ziehen. Auch hier
stehen an erster Stelle die nicht-medikamentösen Massnahmen. Mögliche Auslöser sollten vermieden werden. Körpertraining hilft gut. Dabei kommen vor allem Ausdauersportarten wie Joggen, Schwimmen oder Radfahren in
Frage. Wichtig ist, dass die körperliche Betätigung regelmässig und ohne Leistungszwang durchgeführt wird. Mentales Training hilft ebenfalls gut. Die wahrscheinlich bekannteste Methode ist das autogene Training, das
leicht zu erlernen ist. Wenn diese Massnahmen ungenügend wirken, können ebenfalls wieder Medikamente eingesetzt werden. Diese haben zum Ziel, die Häufigkeit, Dauer und Schwere der Anfälle zu reduzieren. Zur
Verfügung stehen bestimmte Herz-Kreislauf-Medikamente, Antiepileptika oder Antidepressiva.
März 2005, Dres. med. R. Schnyder und M. Greuter
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