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Windpocken, wilde Blasen (Varizellen)
Was sind Windpocken?
Windpocken sind eine hoch ansteckende, normalerweise aber gutartig verlaufende Infektionskrankheit, die überall auf der Welt verbreitet ist. Sie wird durch
ein herpesähnliches Virus, das so genannte Varizellen-Virus verursacht. Die Infektion wird als Tröpfcheninfektion übertragen. Dies geschieht durch direkten Kontakt mit Infizierten und Erkrankten, aber auch durch
Husten und Niesen durch die Luft, deshalb der Name Windpocken. Eine leichte Brise reicht aus, um das Virus zu transportieren. Somit können auch Leute angesteckt werden, die gar nicht in der Nähe von Erkrankten sind.
Ausserhalb des menschlichen Körpers ist das Virus nur ca. 48 h lebensfähig. Die Ansteckungsgefahr beginnt bereits zwei Tage vor dem Auftreten von Symptomen und endet erst mit dem Verschorfen aller Bläschen.
Windpocken sind wegen der hohen Ansteckungsrate eine typische Kinderkrankheit. Das hohe Infektionspotential und die Beweglichkeit des Virus führt dazu, dass
die Krankheit fast niemandem erspart bleibt. Wird eine Person als Kind davon verschont, steckt sie sich fast immer später noch an und kann auch als Erwachsener an Varizellen erkranken. Für Erwachsene verläuft
die Krankheit oft schwerer und es treten öfters Komplikationen auf. Deshalb wird nach der Pubertät heute je nach Situation die Impfung gegen Windpocken empfohlen. Wer einmal daran erkrankt ist, bleibt ein Leben lang
dagegen immun. Nur in ganz seltenen Ausnahmen erkrankt ein Individuum zweimal an der Krankheit. Das Virus bleibt aber im Körper erhalten und kann sich später je nach Immunlage als Gürtelrose nochmals bemerkbar
machen. Diese oft unangenehme Zweiterscheinung desselben Virus kann sowohl im Kindesalter als auch bei Erwachsenen oder auch Hochbetagten auftreten. Vor allem bei alten Menschen verläuft die Gürtelrose oft mit
massiven Schmerzen.
Wie verläuft die Krankheit?
Nach der Ansteckung vergehen gut 2 Wochen bis die Krankheit ausbricht. In dieser Zeit kann sich das Virus unbemerkt ausbreiten. Anfänglich manifestiert sich
die Krankheit durch wenig typische Zeichen, ähnlich einer Erkältung. In einer zweiten Phase folgt der typische Hautauschlag aus zuerst roten ebenen Flecken, die sich auf dem ganzen Körper sowie auf den Schleimhäuten
ausbreiten. (Wangen, Mund, Lippen, Hals und Genitalbereich) Innert Stunden werden die Flecken grösser und verwandeln sich in Bläschen, die von einem roten Hof umgeben sind. Die Bläschen mit einer klaren, wässrigen
Flüssigkeit gefüllt, zerplatzen leicht. Sie verbreiten sich während zwei bis vier Tagen. Die Anzahl der Bläschen variert von einigen wenigen bis vielen Hundert. Das allgemeine Wohlbefinden ist im Allgemeinen wenig
beeinträchtigt, vor allem bei kleinen Kindern. Fieber tritt, wenn überhaupt, nur wenig auf. Nach ein bis zwei Wochen verschwinden die Bläschen vollständig. Werden sie nicht aufgekratzt, bilden sich in der Regel auch
keine Narben. Nach den Windpocken kann man aber über mehrere Wochen die Stellen noch erkennen, wo die Bläschen waren. Die unangenehmste Begleiterscheinung der Varizellen, ist der Juckreiz, der oft sehr stark
ausgeprägt ist und die Pat. dazu verleitet, sich immer wieder zu kratzen. Dadurch besteht die Gefahr, dass sich die Bläschen Superinfizieren mit Bakterien und zu eitern beginnen. Solch zusätzlich entzündete Bläschen
können später Narben bilden. Es gilt also, den Juckreiz zu unterdrücken, mittels Lotionen oder Medikamenten, die eingenommen werden. Früher wurde den kleinen Kindern oft Baumwollhandschuhe angezogen, damit sie sich
nicht kratzen.
Komplikationen treten bei Kindern zum Glück sehr selten auf, bei Erwachsenen aber viel häufiger. Die häufigsten Komplikationen sind Lungenentzündungen oder
Entzündungen des Nervensystems. Vor allem bei Pat. mit Immunstörungen treten Komplikationen gehäuft auf. Gefährlich können Windpocken in der Frühschwangerschaft sein, denn es besteht die Gefahr, dass das werdende
Kind geschädigt wird. Die Mutter selber ist durch die mögliche Lungenentzündung gefährdet. Ebenso ungünstig sind Varizellen um den Geburtstermin, wegen der Ansteckung des Neugeborenen durch die Geburt. Deshalb wird
bei Frauen mit Varizellen um den Geburtstermin herum meist ein Kaiserschnitt durchgeführt. Es wäre somit sinnvoll, dass diese hochansteckende Krankheit wenn schon bereits im Kindesalter auftritt und nicht erst im
Erwachsenenalter wegen der massiv gehäuften Komplikationen. Es macht somit keinen Sinn seine Kinder vor anderen zu schützen, wenn sie Varizellen haben. Besser ist es, wenn alle Kinder die Varizellen früh durchmachen.
Es ist deshalb heute nicht mehr Vorschrift, erkrankte Kinder von der Schule auszuschliessen. Nur schwer erkrankte Kinder müssen
selbstredend zu Hause bleiben. Sobald der Zustand es erlaubt, dürfen sie wieder zu Schule.
Wird die Krankheit nicht durchgemacht, kann heute gegen Varizellen geimpft werden. Empfohlen wird die Impfung Jugendlichen zwischen 11
und 15 Jahren ohne durchgemachte Krankheit, ebenso allen Erwachsenen unter 40 Jahren ohne durchgemachte Krankheit. Speziell empfohlen wird die Impfung allen an Krebs oder Leukämie Erkrankten, Patienten die sich
einer Chemotherapie unterziehen müssen, Kindern mit HIV Infektion und ev. Kindern mit schwerem Ekzem.
Wie bereits oben erwähnt kann durch eine Reaktivierung des im Körper schlummernden Virus nach durchgemachter Varizellenerkrankung im späteren Leben eine
Gürtelrose auftreten. Diese tritt gehäuft auf bei Kindern, welche die Krankheit vor dem ersten Lebensjahr durchgemacht haben und bei älteren Leuten. Das Auftreten des Ausschlages ist nur noch segmental, leider immer
wieder begleitet von massiven Schmerzen (Neuralgien). In den Bläschen findet sich ebenfalls das Varizellenvirus. Menschen mit aktiver Gürtelrose können somit andere mit dem Varizellenvirus anstecken.
Wie behandelt man Windpocken?
Die Behandlung der Windpocken ist rein symptomatisch. Die Bläschen werden mit einer gerbstoffhaltigen Schüttelmixtur betupft, damit sie schneller
austrocknen und der Juckreiz gemildert wird.(Tanno-Hermal Lotio) Gegen den Juckreiz werden oft auf Tabletten oder Tropfen (Fenistil, Zyrtec etc.) eingesetzt, wie sie bei Allergien benutzt werden. Tritt Fieber auf,
wird dieses wie üblich behandelt. Bei Komplikationen und bei schwerem Krankheitsverlauf ist der Arzt gefragt.
Gerbstoffe (Tannin) kommen in einer Vielzahl von Pflanzen vor. Man findet sie in Wurzeln, Rinden und Früchten. In der Medizin werden sie seit Jahrhunderten
in der Dermatologie (Lehre der Hautkrankheiten) eingesetzt. Bis in die 50er Jahre wurden ausschliesslich natürliche Gerbstoffe verwendet (Eichenrindenextrakt). Seither benutzen wir immer mehr synthetische
Gerbstoffe, die Vorteile aufweisen, wie konstante Qualität, genaue Dosierbarkeit, längere Haltbarkeit und höhere Toleranz. Daneben sind sie auch deutlich billiger in der Herstellung.
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